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Erfahrungsbericht Tauchen Curacao

von Kerstin und Georg Piller 10/2018

Nach rund 9-stündigem Flug mit KLM von Amsterdam am Flughafen Hato auf Curaçao angekommen, übernehmen wir am Flughafen unseren Mietwagen. Wir fahren nach Willemstad, zur Scuba Lodge Hotel im Stadtteil Pietersmaai, unserer ersten Station auf der kleinen Karibikinsel. Die 2008 eröffnete Lodge liegt direkt am Meer und dennoch mitten in der Stadt. Ganz typisch in karibisch-bunten Farben gehalten, werden wir von den freundlichen Mitarbeitern begrüßt. Im offen gebauten Restaurant genießen wir unseren Welcomedrink mit Blick aufs Meer und fühlen uns trotz Müdigkeit sofort im Urlaub angekommen.


Vor dem Abendessen starten wir einen ersten Rundgang. Das aus mehreren historischen, aufwendig renovierten Gebäuden bestehende Boutique-Hotel ist trotz der scheinbaren Enge eine Oase der Ruhe. Die auf der Frontseite verlaufende Straße ist nur wenig befahren. Überall befindet sich viel tropisches Grün mit Palmen, blühenden Hecken und schattenspendenden Bäumen. Die fünf unterschiedlichen 2- und 3-stöckigen Gebäude verströmen koloniales Flair und beherbergen die Gästezimmer und Apartments. Der Restaurant- und Barbereich ist im angesagten Beach-Look gehalten und vermittelt eine gemütliche Atmosphäre. Herzstück ist der Infinitypool mit bequemen Sonnenliegen. Zusätzlich gibt es im benachbarten "Beachclub 88“ weitere Sonnenliegen mit direktem Zugang zum Meer.

Unser Zimmer befindet sich ebenerdig und ist trotz der Nähe zu den öffentlichen Bereichen angenehm ruhig. Es ist ausreichend groß und geschmackvoll eingerichtet und wird durch eine angrenzende Terrasse perfekt ergänzt. Das Bad ist modern und großzügig gestaltet. In der kleinen Küchenzeile kann man sich Kaffee und Tee zubereiten. Schon reichlich müde von einem langen Tag beschließen wir unseren ersten Tag im Restaurant mit einem Abendessen und genießen dabei einen wundervollen Sonnenuntergang.


Am nächsten Vormittag gehen wir durch das Viertel Pietermaai ins Stadtzentrum. Pietermaai war bis vor wenigen Jahren heruntergekommen und ein Treffpunkt für Obdachlose und Drogendealer. Seit man Anfang des neuen Jahrtausends begann, das Stadtviertel zu sanieren, hat sich das Bild komplett geändert. Die meisten Häuser erstrahlen wieder im alten Glanz, manche als Wohnhäuser, andere beherbergen Hotels, Anwaltskanzleien oder Restaurants, vom einfachen Pizza-Bistro bis zur Gourmetküche findet man hier alles. Die wenigen, noch vorhandenen Ruinen sind mit Graffitis verziert und geben einen Eindruck davon, wie es hier früher ausgesehen hat.

Willemstad selbst ist bekannt für seine bunten und prunkvollen Kolonialbauten. Da es Sonntag ist und die meisten Geschäfte geschlossen sind, sitzen wir am Kanal, der die Stadt teilt und genießen einen kalten Drink, während wir beobachten, wie die Ponton-Brücke aufgemacht wird, damit ein großes Containerschiff den Hafen verlassen kann. Am gegenüberliegenden Ufer befindet sich der Stadtteil Ottrabanda, an dessen Uferfront sich ebenfalls schön restaurierte Kolonialgebäude aneinander reihen. In Ottrabanda lässt es sich wunderbar shoppen, und am Abend laden auch hier zahlreiche Restaurants, Bars und Kneipen zum Verweilen ein. Wochentags bieten unzählige Händler entlang der Uferpromenade auf beiden Seiten des Kanals ihre Waren feil – von Kunst bis Kitsch, Klamotten oder Waren des täglichen Bedarfs ist nahezu alles käuflich zu erwerben. Vormittags wird außerdem frisches Obst und Gemüse vom rund 60 km entfernten Venezuela direkt an der Kaimauer auf Willemstads Gemüsemarkt verkauft. Nur ein paar Meter weiter befindet sich eine große Markthalle, wo vor allem Insulaner Waren aller Art kaufen. Außerdem kochen hier einheimische Frauen traditionelle Gerichte, die man um die Mittagszeit für kleines Geld genießen kann. Unbedingt ausprobieren!

Am Nachmittag fahren wir mit dem roten Scuba Lodge Tauchbus zum Fisherman's Wharf zum Checktauchgang. Der Fishermen's Wharf ist eine Straße mit den Wohnhäusern der Fischer, die irgendwann auf die Idee gekommen sind, den Fisch zuzubereiten, bevor sie ihn verkaufen und so ihre Wohnhäuser zu Seafood Restaurants umgewandelt haben, einige davon wirklich hervorragend.
Unter Wasser freuen wir uns sofort über die vielen Fische, auch einige Hummer sind zu sehen.

Abends sind im Restaurant der Scuba Lodge die indonesischen Köche Ronald und Denise zu Gast, die auf dem Holzkohle-Grill Saté-Spieße zubereiten, die mit Lonton-Reis, Gemüse und einer fantastischen Erdnusssoße serviert werden. Auch wenn es wegen des großen Andrangs etwas länger dauern kann, lohnt sich der Abend auf jeden Fall. Eine weitere Besonderheit ist das Frühstück. Das Frühstück wird à la carte serviert. Gäste, die mit Frühstück gebucht haben, erhalten einen Breakfast Basket. Im Korb wird ein üppiges Frühstück mit einer wechselnden Eierspeise, frischem Obst, Brot, Käse, Wurst, Naturjoghurt, Honig und Nüssen serviert, alles schön und umweltfreundlich in wiederverwendbaren Gefäßen verpackt. Nicht nur schön anzusehen, sondern auch sehr nahrhaft.

Am 2. Tag haben wir zwei Tauchgänge. Wir starten bei Marie Pompoen, ca. 10 Fahrminuten von der Scuba Lodge entfernt. Die Unterwasserwelt ist beeindruckend, eine wunderschöne Landschaft aus Korallen und Schwämmen empfängt uns. In der Nähe des Einstiegs ist eine Korallenaufzuchtstation, ein gutes Zeichen dafür, dass man auch auf Curaçao beginnt, unter Wasser den Umweltschutz ernst zu nehmen. Wie schon am Tag vorher beindruckt uns die große Anzahl und Artenvielfalt an Fischen.

Der brandungsreiche Einstieg zum zweiten Tauchgang am Hausriff der Scuba Lodge ist schnell vergessen, als wir einen Knurrhahn aufscheuchen, der seine blauen „Flügel“ aufspannt und sich auf den Sandboden kauert.

Die Scuba Lodge Tauchbasis befindet sich auf dem Gelände des Hotels. In einem großen Container untergebracht, wirkt zwar alles etwas provisorisch, auf charmant karibische Art ist aber alles Notwendige vorhanden. Ein professionelles Team bietet tägliche Ausfahrten zu unterschiedlichen Tauchplätzen und in verschiedenen Kleingruppen. Einzigartig ist der auffällig rot-weiß lackierte alte Schulbus, und mit dem macht es einfach Spaß durch die Gegend zu fahren.

Wie fast überall begegnen wir Rotfeuerfischen, Skorpionsfischen und einer intakten Korallenlandschaft und vielen verschiedenen Schwämmen. Nach einem wunderbaren Abendessen auf Gourmet-Niveau im Restaurant BijBlauw ganz in der Nähe müssen wir uns am nächsten Tag auch schon wieder von der Scuba Lodge verabschieden.

Unser nächstes Ziel ist das Lagun Blou Resort an der Playa Lagun im Nordwesten der Insel. Seit der Niederländer Tom Baijer die Apartmentanlage vor vier Jahren übernommen hat, wurde sie aufwendig renoviert und ausgebaut zu einem Ort, an dem wir uns sofort wohlfühlen. Wir werden von Mitarbeiterin Denise freundlich begrüßt, und auf einem kurzen Rundgang zeigt sie uns alle Annehmlichkeiten der kleinen Anlage. Neben einem kleinen Pool mit Sonnenliegen, umrahmt von schattenspendenden Pflanzen, laden entlang der Klippe wunderschön gestaltete Bereiche mit Sonnenliegen und beschattete Sitzgruppen zum Verweilen ein. Highlight ist ein kleiner Whirlpool, von dem man beim Sundowner den Sonnenuntergang genießen kann. Beeindruckend ist auch das viele Grün, das erst Tom in den letzten vier Jahren gepflanzt hat.

Die Bungalows, die aus jeweils zwei Apartments bestehen, wurden entlang der Klippe platziert, sodass man von den meisten einen fantastischen Blick aufs Meer genießt.  Die zweistöckigen Gebäude sind geschmackvoll eingerichtet. Die Küche ist gut ausgestattet, um eine einfache Mahlzeit zuzubereiten. Das Frühstück machen wir uns nun selbst und genießen es auf der kleinen Terrasse im Erdgeschoss mit Blick über die Bucht. Die Zutaten kaufen wir im Supermarkt oder im Resort eigenen kleinen Shop. Beim Frühstück sind wir nicht lang allein. Rasch finden sich zahlreiche Leguane ein und geben unmissverständlich zu verstehen, dass sie auch hungrig sind. Auch verschiedene Vögel und einige Katzen freuen sich über eine kleine Gabe. Ansonsten genießt man aber meist Ruhe und Abgeschiedenheit.

Für den nächsten Tauchgang fahren wir wieder Richtung Südosten zur St. Michiels Baai. Dive Wederfoort, die älteste Tauchbasis in Curaçao, hat dort seit 1955 ihre Niederlassung und im Lagun Blou eine Flaschenstation mit etwas Equipment.

Mit Patrick, dem Inhaber von Wederfoort, machen wir uns an die Erkundung des dortigen Riffs. Auch hier wieder wunderbare Korallen und Schwämme, dazu die übliche Anzahl an Fischen, heute treffen wir unter anderem auf Skorpionsfische, Muränen und Rotfeuerfische.

Nachmittags begleitet uns Erwin, der aussieht wie Morgan Freeman, zum Kokomo Beach, einem Badestrand mit Beach Bar, gelegentlich abends Live Musik und Partys.
Wir sind aber nicht zum Partymachen hier, sondern zum Tauchen. Schon auf fünf Metern erwarten uns Gärten aus Hart- und Weichkorallen, Seeigel, Rotfeuerfisch, Muränen und Kofferfische und das Wrack eines Pontonschiffes ab 18 Metern.


Am nächsten Tag ist tauchfrei, wir erkunden die Gegend um Westpunt und den Christoffel Nationalpark. Etwas nördlich vom Lagun Blouw treffen wir zufällig auf ein kleines privates Museum, das das Erbe und die Kultur der Einwohner bewahren will und dabei auch die Sklavenhandelsvergangenheit nicht übergeht (Museo Tula in Kenepa). Das mit wenig finanziellen Mitteln errichtete Museum ist sicherlich kein Highlight, aber birgt so manches interessante Detail, und mit dem günstigen Eintritt von nur ein paar Gulden unterstützt man dieses ehrgeizige Projekt.

Der Christoffel Nationalpark, benannt nach dem mit knapp 380 m höchsten Berg der Insel, beeindruckt durch die fantastischen Kakteenlandschaften und Wälder, die sich, seitdem die dortige Plantage aufgegeben wurde, in der unberührten Landschaft entwickelt haben und in der sich eine Unmenge an Vögeln und anderen Tieren angesiedelt hat. Ein geländegängiges Fahrzeug ist empfehlenswert, um über die engen, steilen Straßen zu den verschiedenen Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten zu fahren, z. B. zu einer Höhle, die zeitweise als Versteck für entlaufene Sklaven diente.

Abends springen wir im Lagun Blou nochmal zu einem Abkühlungs-Schnorcheltrip ins Wasser. Nach einigen Minuten kommt von hinten eine dunkle Wolke auf uns zu, und plötzlich sind wir mitten in einem riesigen Schwarm von Sardinen – ein Erlebnis, das wir nicht mehr vergessen werden.

Unser letzter Tag bricht an, und wir erkunden das Hausriff des Lagun Blou. Wir entscheiden uns für den leichteren Einstieg und gehen über die nahe liegende Bucht ins Wasser, statt die Leiter vom Lagun Blou zu nutzen.
In der Bucht hat ein lokaler Künstler eine Unterwassergalerie eingerichtet, wo er seine Bilder ausstellt. Das Hausriff des Lagun Blou ist wunderbar, intakte Hart- und Weichkorallen, Schwämme und viele Fische. Und, wie gesagt, ziehen mit bisschen Glück abends große Sardinenschwärme vorbei.

Nachmittags dann unser letzter Tauchgang in der Playa Piscado – ein weiteres Highlight. Abgesehen von einer beeindruckenden Rifflandschaft und der großen Vielfalt an Fischen sichten wir hier auch große Cubera Snapper, Garnelen und eine leuchtend blaue Salatschnecke. In der Bucht selbst leben mehrere Schildkröten, die an Besucher gewöhnt sind. Dies zieht natürlich eine große Zahl von Tauchern und Schnorchlern an, trotzdem ist die Begegnung mit den Schildkröten, die teilweise sehr nah kommen, ein beeindruckendes Erlebnis.

Leider geht unsere Reise nun zu Ende. Nach einigen Tank-Aufregungen (in Curaçao kann man an Tankstellen nur bar bezahlen und nicht immer gibt es Geldautomaten) erreichen wir wieder den Flughafen und fliegen zurück nach Amsterdam.

 

Fazit:
Eine wunderbare Reise und eine tolle Insel. Die Leute sind durchweg sehr freundlich und offen, und auch wenn man kein Niederländisch oder Papiamento spricht, findet man immer jemanden, der auf Englisch weiterhelfen kann. Die Landschaft ist über wie unter Wasser einzigartig und beeindruckend.
Das Tauchen hat uns überzeugt. In Curaçao wird eigentlich immer vom Strand aus getaucht, Bootstauchgänge sind eher die Ausnahme. Der Rundum-Service, wie man ihn z. B. aus Ägypten kennt, findet hier nicht statt, hier rödelt man noch selber auf und trägt seine Ausrüstung zum Einstieg. Dafür fehlt hier aber auch jeglicher Massen-Tauchtourismus, wir sind unter Wasser kaum anderen Tauchern begegnet, abgesehen vielleicht von Hotspots wie der Playa Piscado, der Schildkrötenbucht. Wir werden bestimmt wiederkommen.


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